Champions League .............................................. 25. Mai 2013

Wenn München in der Champions League spielt, drücke ich den Bayern die Daumen, egal wie der Gegner heißt. Wenn Dortmund spielt, bin ich Fan vom BVB. Schwierig war es am Samstag, als das Champions League Endspiel Dortmund gegen Bayern anstand. Da bin ich in Wirklichkeit mehr der BVB Fan. Dortmund ist mir irgendwie sympathischer.

Das das Endspiel der deutschen Mannschaften in London stattfand, war gut, so konnten die Engländer auch mal ein gutes Fußballspiel sehen. Sie haben inzwischen gemerkt, dass sich der deutsche Rumpelfußball zu einem ansehnlichen Kombinationsfußball entwickelt hat. Die Zeiten, in denen unsere Kicker noch mit Panzer verglichen wurden, scheinen endlich vorbei zu sein. Diese Vergleiche haben im Sport auch absolut nichts zu suchen.

Da kam ich einigermaßen pünktlich vom Spargellauf aus Nienburg zurück, setzte mich voller Spannung und Vorfreude vor die Flimmerkiste und denke nach wenigen Augenblicken: Nicht doch, das kann jetzt nicht sein! Hooligans prügeln sich auf dem Spielfeld. Trotz aller Aufforderungen zur Toleranz und Friedfertigkeit gibt es schon vor dem Anpfiff die ersten Gewaltszenen.

Ich hatte mich geirrt. Es war die Eröffnungszeremonie für das Endspiel. Verantwortlich dafür war die UEFA, die versucht seit Jahren die Gewalt in den Griff zu bekommen. Bisher ziemlich erfolglos. Jetzt wurde vor dem Endspiel ein wenig Krieg gespielt. Die Spieler saßen nicht im Panzer, dafür schlugen sich die Schwerter um die Ohren, schön mit Gewalt, die im Stadion doch nichts zu suchen haben soll. Der Fußballplatz wurde zum Schlachtfeld umfunktioniert. Fußball ist ein Spiel, liebe UEFA! Kein Krieg!!

Der Reporter des öffentlich rechtlichen Fernsehens wusste auch nicht wie er mit den Bildern umgehen sollte. Die Worte „Die Spieler hören das nur, sie können es nicht sehen“, lassen seine Gedanken nur erahnen.

Beide deutsche Mannschaften haben toll gespielt, es gab sicherlich einige harte Fouls, von kriegerischer Auseinandersetzung konnte ich nichts sehen. Bayern war der verdiente Sieger, Dortmund ein fairer Verlierer. Danke Bayern, danke Dortmund. Jetzt bin ich Fan von beiden Mannschafte, es sei denn, sie spielen wieder gegeneinander. Das scheinen sie aber gewaltfrei hinzukriegen.

Vielleicht hat die UEFA es auch gemerkt.

Auf Schalke ................................................ 21. November 2012

Auf Schalke

Heute heißt es für Thorsten und mich: Auf nach Schalke! Auf zum Champions League Spiel Schalke 04 gegen Olympiakos Piräus aus Griechenland. Die Königsblauen können am Abend das Achtelfinale klarmachen.

Schalke hat ungefähr 24 000 Einwohner. Schalke besteht aus den Stadtteilen Schalke und Schalke-Nord. Schalke ist Pott, Schalke ist 04, Schalke ist Kult, Schalke ist Libuda, Schalke ist blau. Das Stadion steht aber nicht in Schalke. Im Norden schließt der Stadtteil Erle mit weiteren 27 000 Einwohner an. Dort in Erle hat der Verein Schalke 04 seine Arena gebaut, da passen locker 60 000 Zuschauer rein. Also mehr Menschen als zusammen in Schalke, Schalke-Nord und Erle wohnen. Die restlichen Plätze sind trotzdem schnell vergriffen, wie zum Beispiel durch Thorsten und mich.

 

Im Pott

Thorsten und ich sprechen Standarddeutsch. Auf Schalke wird Ruhrpott gesprochen, noch von früher her, die kommen alle ausn Kohlenkasten. Thorsten und ich sind weder Ruhries noch Pottis, coole Schaumburger halt. Ruhrpottsprech is schwer, da kriech ich Muskelkater inne Gesprächsorgane. Hoffentlich fragt auf Schalke niemand: Hömma, wo bisse wech?

Wir reisen mit dem Auto an. Wenne üba die A2 fährs, bisse schnella wie wenne mitte Bahn fahrn tus. Isso! Dat Ruhrgebiet tut von Hamm bis Düßburch gehen. So tief rein müssen wir aber nicht fahren. Die Arena liegt mittig bei Gelsenkirchen, gleich neben der Autobahn. Das gefährlichste bei der Anreise ist, mit einem blauen S04-Schal an Dortmund vorbeizukommen. Wenn sie dich da als „Schlacker“ erkennen, bist du geliefert, und du hast zusätzlich noch ein blaues Auge. Heute sind die meisten „Zecken“ aber unterwegs, sie bestreiten in Amsterdam auch ein Champions League Spiel. Ich habe meinen Schal vorsichtshalber auf den Rücksitz gebunkert.

 

Arena

Thorsten und ich sind S04 Fans, Thorsten für immer, ich für heute. Dann sind wir da, auf Schalke. Ich war noch nie in der Arena, schmuckes Ding, das Teil. Inna Arena kriech ich gleich Pelle. Alle voll am Stimmung machen. Hier is watt los, alles echte Fännz! Wennsse dich hier getz nich bald am freuen anfängs, bisse selbs schuld dran. Schalke, das ist dem Fan seine wahre Leidenschaft. Ey, glaubsse, dat issen Dingens hier!

Thorsten steht auf Schalke, ich sitze neben Thorsten und schaue mir die Sache heute mal an. Wir haben Plätze in der 4. Reihe, dicht am Spielfeld, vielleicht ergattern wir nach dem Kick ein Trikot von einem Schalker Helden. Den Griechen nehme ich fairerweise nicht auch noch das letzte Hemd weg.

Vor dem Spiel gibt es noch etwas Killefitt, Thorsten und ich tun noch ma die Spieler winken, bevor sie getz aba ma wacker inne Puschen kommen. Dann geht das Spiel los, die Veltins Arena schäumt über, das Revier bebt, wir schunkeln unsere Schals hin und her.

 

Das Spiel

(Griechische Tragödie)

Die Griechen spielen sehr griechisch, sie tun nur das nötigste. Sie versuchen, ihren eigenen Strafraum abzuschirmen. In der 1. Halbzeit haben sie damit noch Erfolg. Dann wird der Druck stärker, S04 investiert immer mehr, die Angriffstroika Huntelaar, Draxler und Farfan reißt die Abwehr der Gäste weit auseinander. Dort entstehen Schlupflöcher wie in der griechischen Wirtschaft. Aber alle Bemühungen der Schalker lassen die Gäste schlau ins Leere laufen, sie spielen geschickt auf Zeitgewinn. Die ständigen Rettungspakete der Piräus-Verteidiger sorgen aber kaum für Entspannung auf der Bank des Trainers. Die Defizite werden größer. Durch die schwache Leistung der Griechen müssen sie eine Inflation von Schalker Angriffen hinnehmen. Die Stabilität der griechischen Abwehr ist hin, die Mannschaft hat über ihre Verhältnisse gespielt. Die Bank wählt die falschen Gegenmaßnahmen: Es gibt kein Bemühen zur eigenen Entlastung, gezielter Aufbau findet kaum statt. Planlos steht die Mannschaft kurz vor dem Zusammenbruch. Wer in Europa bestehen möchte, muss mehr leisten.

 

Das Spiel

(aus Schalker Sicht)

Die 1. Halbzeit ist wenig berauschend. Wer königsblau im Herzen trägt, sieht niemals schwarz, er wird höchstens kribbelig. Ein Fan: Mach mich nich datt Hemd am flattern!

Endlich! In der zweiten Hälfte nimmt die Angriffswucht der Schalker richtig Fahrt auf. Irgendwann wird das befreiende Tor schon fallen. Rein oder nicht rein, das ist hier die Frage (Nix griechisches! Hamlet von Shakespeare)

Das Spiel wird härter. In Eifer vonnet Gefecht kommt der Stopper vonne Piräusser donnich mähr anne Pille tun, un wat machda? Senst dem Schalker ihm seine Stöcker weg! Da brauchse nen Waffenschein zu, da krichse Schmerzn nur von zukucken her. Hömma ey! Der muss getz ma ne Karte ham! Hat der Schieri ein am Appel? Wat haben wir hier eigentlich am Laufen?

 

Der Sieg

Wird Zeit für ne Bude. Das Herz des Schalkers schlägt nicht nur, es dribbelt auch. Hin und her, zwischen Euphorie, Bestürzung, Hoffnung, Trauer, Leidenschaft und Größenwahn. Dat is hier ganz und gebe.

Je länger das Spiel dauert, desto weniger Zeit bleibt. In der 77. Minute ist es soweit, der Angriff wirkt harmlos. Irgendwie hampeln die Schalker vorre Kiste rum. Der Österreicher Fuchs brüllt: loß umawochsn (Ruhrpottsprech: gib mich die Pille, Standarddeutch: spiel mich an) Er kricht die Pille, und getz mit Schmackes aus 30 Meter inne Bude. Der Torwaat is noch wat am schlafen, drinn dat Dingens!

Schalke 1 - Piräus 0.

Fuchs, du bissen Held! Kumma –schon is Kumma weg! Die Schalker sind ihre Sorgen los. Thorsten und ich auch. 1:0 gewonnen, das war knapp. Darum nennt man die Königsblauen wohl auch die „Knappen“.

Das Spiel ist aus, S04 hat das Achtelfinale erreicht. Die Hoffnungen der Griechen, weiter in Europa spielen zu können, sind ausgeträumt.

 

Tschüskes, ne!" 

 

Fazit

Es war ein schöner, interessanter und kurzweiliger Abend

Ήταν μια όμορφη, ενδιαφέρουσα και διασκεδαστική βραδιά

Achtung: Witz

In der Pause wird aus dem S04 Fanblock ein Kandidat für ein Gewinnspiel auserwählt. Es muss nur eine Frage richtig beantworten werden, dann bekommt man eine Dauerkarte für die nächste Saison geschenkt.
Chantal wird auserwählt, der Stadionsprecher beginnt:

Chantal, wenn du mir diese eine Frage beantwortest, hast du gewonnen. Also, was ergibt 3x3?
Chantal: 5!
Der Stadionsprecher guckt erschrocken. "Ohh, ne…….
Das ganze Stadion singt: Gib sie noch ne Chance! Gib sie noch ne Chance!
Stadionsprecher: OK, wenn ihr denn alle wollt, naja, ok Chantal, das ist aber wirklich deine letzte Chance: Was ist 3x3?
Chantal: 7!
Der Stadionsprecher bekommt Schweißausbrüche, das Stadion singt wieder: Gib sie noch ne Chance! Gib sie noch ne Chance!
Stadionsprecher: Naja, was soll ich denn machen? Chantal, nun hör mal, das ist doch nicht so schwer, was ist 3x3?
Chantal: 9!
Das Stadion: GIB SIE NOCH NE CHANCE! GIB SIE NOCH NE CHANCE!