Wilhelmstein-Marathon ....................................... 27. April 2013

Reif für die Insel

Wie oft Gisela und ich schon um das Steinhuder Meer gelaufen sind, wissen wir nicht. Wir wissen aber, einmal außen herum sind ca. 31 Kilometer. Jetzt wollen wir zur Abwechslung mal innen herumlaufen.

Innen? Wie jetzt? Über Wasser? Falsch!

Im Steinhuder Meer liegt die kleine Insel Wilhelmstein, auf der wir unsere Runden drehen möchten.

Runden? Richtig!

Wegen einer Runde fahren wir nicht mit dem Boot zum Wilhelmstein. Eine Runde ist läppische 351,87 Meter lang, darum laufen wir insgesamt 120 Runden um die Festung. Das sind dann genau 42,2 km und fertig ist der Marathon! Falls wir es schaffen ………

Am 27. April heißt es also für Gisela und mich: Immer feste um die Festung. Alles in allem eine runde Sache. Dafür kann man schon mal mit dem Boot rüber segeln.

Der Lauf

Treffpunkt war der Anleger an den Steinhuder Strandterrassen. Wir versammelten uns dort vor den Fischständen. Hier warteten etliche Zitteraale, vor Kälte bibbernd, auf die Überfahrt. Es war am Morgen noch empfindlich gesäßkalt.

Darf es ein bisschen Meer sein?

Die Überfahrt mit dem Segelboot war das erste nette Erlebnis. Um 9 Uhr legten die mit Läuferinnen und Läufer beladenen Schiffe vom Steg in Steinhude ab. Es ging mit Kollisionskurs direkt auf den Wilhelmstein zu. Die künstliche Insel ist ein wenig größer als die Rettungsinsel eines Kreuzfahrtschiffs. Der Wind stand gut, unser Boot schwamm auf einer Erfolgswelle, wir kamen der Mini-Insel schnell näher. Größer wurde sie dadurch auch nicht. Immerhin, der Skipper traf den Wilhelmstein auf Anhieb, der Törn ging zu Ende, unser Landgang konnte beginnen.

Insel voraus! Klein, kleiner, Wilhelmstein!

Vom Wilhelmstein wanderte unser Blick hinüber auf das weite Ufer des Steinhuder Meeres. Nicht zu glauben, das Gisela und ich da schon so häufig rumgelaufen sind. Sind wir aber.

Auf der Insel ist es sehr ruhig, kein Vergleich zu Malle oder Sylt! Nur heute, heute soll es auf dem Wilhelmstein laufend rund gehen. Verantwortlich dafür waren Susanne und Michael, beide haben den Marathon organisiert. Und das haben sie hervorragend hinbekommen. Für Gisela und mich war also echter Aktivurlaub angesagt.

Zum Aufwärmen und Klarschiff machen ging es erst mal in das Restaurant. Die erste Runde ging auf Gisela. Wer glaubt, danach musste sie nur noch 119 Runden laufen, irrt.



Gisela versucht mich zu beruhigen. Ich bin immer sehr unruhig und borstig vor großen Ereignissen.

Klarstellung: Das bin ja gar nicht ich! Das ist unser innerer Schweinehund. Ohne Schwein kein schnelles Bein!

Das bin ich wirklich. Wie jetzt, ihr seht kein Unterschied?

Immer feste um die Festung

Früher saßen auf dem Wilhelmstein Häftlinge in der Festung ein. Richtige Schurken, mit langen Haftstrafen, bei Wasser und Brot und so. Dagegen hatte ich es heute richtig gut. Erstens bin ich kein Schurke, zweitens hatte ich 120 Runden Freigang vor mir! Auf kurzer Rundstrecke, mit ständiger Verpflegung und so. Davon konnten die Schurken nur träumen.

Um 11 Uhr sollte der Marathon beginnen. Ich fühlte mich nicht grade so, als ob ich vor lauter Kraft mit dem Gabelstapler zum Start gefahren werden muss. Es steckte ein wenig Frühjahrsmüdigkeit in mir, dagegen hilft ja Bewegung. Also, dann mal los! Gisela und ich versammelten uns mit dem Rest der Truppe am Start. Wir waren 49 Jungs und 16 Mädels, alle warteten locker und gutgelaunt auf den Beginn der Veranstaltung.

Wir haben uns freiwillig an die Wand gestellt. So ein Lauf ist wie mit dem Kopf gegen die Wand laufen. Hinterher muss aber auch ein Loch drin sein. In der Wand! Hier ist es noch nicht zu sehen, die Aufnahme ist kurz vor dem Lauf entstanden.
Scharfrichter Michael verurteilt uns gleich zu 120 Runden um den Wilhelmstein.

Ballermann

Leider gibt es auf dem Wilhelmstein keinen Ballermann. Keinen, der mit der Startkanone knallt, damit die 65 durch- geknallten Marathonis losballern können.

Racedirektor Michael begrüßte seine Laufgäste und gab uns danach noch 10 Sekunden bis zum Start. Gisela und ich erreichten in dieser kurzen Zeit, vor allen anderen, gerade so eben den Startstrich. Unserer guten Reaktionszeit war es zu verdanken, dass wir ganz vorne mit dabei waren. Das hatte den Vorteil, dass wir auf den äußerst schmalen Wegen keine Läuferinnen und Läufer überholen mussten, wir konnten daher bequem in der Spur bleiben. Der Nachteil waren die schnelleren Starter hinter uns, viele davon überholten uns, das war nicht gut, das zieht dich runter.

Nach dem Start liege ich eindrucksvoll an 2. Stelle.

Achtung Wasser

Die Strecke ging vom Hafen aus direkt an der Küste entlang, ganz dicht am Wasser. Das ist für eine Insel ja nichts Außergewöhn- liches. Dann ging es an der Festung vorbei, zurück zum Start. Also, alles ganz simpel, verlaufen schied heute aus. Ertrinken wäre möglich.

Nach einigen Runden hatten mich gefühlt ungefähr 200 Läufer überholt. Bei nur 65 Startern konnte irgendetwas nicht stimmen. Stimmt! Bei 351,87 Meter pro Runde wird man früher oder später von den Schnelleren überrundet. So wurde ich ständig überholt, das macht auf Dauer unglücklich.

Gisela hatte sich abstandstechnisch langsam nach vorne entfernt. Ich konnte bald nicht mehr einschätzen, ob sie noch vor mir, oder schon wieder hinter mir lief.

Ich lief dann einfach mal so für mich weiter, es war ja auch ganz einfach. Das Wasser musste immer rechts, die Festung links, Gisela vor oder hinter mir, und der Boden unter den Füßen sein. Sollte der Boden mal weg sein, und mir das Wasser bis zum Hals stehen, bin ich von der Strecke abgekommen und der Bericht würde enden. Keine Sorge, noch lief alles aalglatt. Ich wollte entspannt bleiben, entkrampft und ganz ohne Druck laufen.

Rechts wartet ein Pirat, links das Gefängnis. Da hilft nur eins: Ab durch die Mitte und noch eine Runde laufen.

Windenergie

Der Wind wehte auf dem Wilhelmstein aus nördlicher Richtung. Alle 100 Meter fand aber eine Energie- wende statt. Durch das schnelle wechseln der Laufrichtungen traf uns der Wind alle 100 Meter an einer anderen Körperseite. Im Rücken war die Wind- energie sehr angenehm, an den Seiten unproblema- tisch, nur von vorn war sie etwas unangenehm. Außerdem lag nach 20 Runden die Frisier nicht mehr richtig.

 

Kreisverkehr

Es ging weiter rund herum, Runde für Runde, immer schön im Kreis laufen! Der Kreislauf sollte stabil bleiben. Die Runden summierten sich, erst 60, dann bald 70, schließlich hatte ich 80 Kreise auf dem Konto. So konnte es weiter laufen. Lief es auch:

Rücke vor bis zur Festung. Laufe nicht über das Wasser. Laufe an der Festung vorbei und rücke vor bis zum Start. Ziehe ein Erfrischungsgetränk ein. Laufe bis zur Hafenstraße. Gehe ins Gefängnis!

Hurra!

Da hätte ich meine Ruhe! Ich träumte davon, ein Schurke zu sein. Gern würde ich die letzten Runden in der Festung absitzen. Oder sogar abliegen.

Störe meine Kreise nicht

Solche negativen Gedanken stören nur. 90 Runden hatte ich abgearbeitet. Damit es weiter rund läuft war volle Konzentration vonnöten, nur nicht ablenken lassen. Jetzt durfte auf dieser kreisrunden, endlosen Laufstrecke, bei der an allen Ecken und Enden gespart wurde, nichts mehr schiefgehen. Außerdem war ich noch lange nicht so platt, das ich durch die Stäbe des Gefängnisgitters gepasst hätte. Bei Gisela wirkte auch noch alles easy going, sie hatte mich inzwischen 12 – mal überrundet.

Gisela ist im Ziel.

Der Kreis ist heiß

Irgendwann brannten mir im Kreis die Quadratlatschen. Ich wurde etwas bescheidener in der Demonstration meiner läuferischen Fähigkeiten. Ich lief nicht mehr ganz auf der Erfolgswelle, es kam ein wenig Flaute auf.

Oh nee, nicht schon wieder! Gisela überrundete bzw. überkreiste mich erneut. Ich wollte freiwillig ins Wasser gehen. Oder doch lieber ins Gefängnis, bei Wasser und Brot?

Nein! Ich wollte zurück nach Steinhude, auf Wasser im Boot. Also zog ich weiter meine Kreise, es war ja bald geschafft, nur noch 20 Runden.

Aus der Distanz betrachtet wirkte der Marathonlauf wie ein einreihiges Gewusel auf dem Ameisenpfad. Der Unterschied? Ameisen suchen immer die kürzeste Verbindung.

Gisela war dann schon mal da. Starkes Ding von Gisi, unter 4 Stunden, 12. Gesamtplatz und 2. Frau! Gisi going!! Herzlichen Glückstrumpf!

Achim der Vollstrecker hat die volle Strecke geschafft.

Gisi wirkte noch ziemlich normal. Keine Spur von Drehwurm oder anderen Auffälligkeiten. Kein Inseltrauma oder sowas. Sie erkannte mich sogar auf Anhieb als Achim wieder, verwechselte mich nicht mit Robinson Crusoe, also war mit mir auch noch alles okay. Mein linkes Bein fühlte sich allerdings ein wenig kürzer an.

Ich durfte dann mal ein wenig weiterlaufen. Es wurde fieser, blieb aber problemlos. Langeweile? Haben nur die, die sich selbst im Wege stehen. Solche gab es hier heute nicht. Ich zählte weiter meine Runden, die Kilometer interessierten mich wenig.  Gisela  feuerte mich  an, 3 – 2 – 1, fertig machen zum jubeln, ich war im Ziel. Am Ende ist der 28. Platz dabei heraus gekommen. Mir viel ein Wilhelmstein vom Herzen.



Scharfrichter Michael gibt mir nach dem Lauf die Kugel und entlässt mich wegen guter Führung.

Song zur Lage:

(gedichtet zwischen Runde 83 – 96, vergessen in Runde 97, wiederhergestellt nach dem Lauf)

 

Kurz mal nach dem Start geführt.
119- mal das Ziel passiert.
letzte Runde auch geschafft.

und es hat Zoom gemacht.

Gisela ist schon bei der nächsten Runde Käffchen und Kuchen. Ich habe noch ein paar Runden Wilhelmstein am Bein hängen.
Unser obligatorisches Protzfoto. Im Hintergrund hält uns Schweini die Fans vom Leib.

Ohne Kreis kein Preis

Cool! 42,2 km nur im Kreis gelaufen. Als Erinnerung bekam jeder Teilnehmer eine Kanonenkugel am Band überreicht. Nettes Souvenir! Und nützlich zugleich. Das Band ist 30 cm lang, da könnte man mit dem Fuß in die Schlaufe schlüpfen und einen Marathon rund um die Kugel laufen.

Mal rechnen:  U = 2r x 3,14159, das sind  1,884954 m für eine Runde. Macht  22 385 Runden für den Marathon! Ist doch was, oder?
Ob Gisela dabei ist? Ich werde mal mit ihr reden, muss ja nicht gleich sein, so kurz nach den 120 Runden……..

Wir verlassen den Wilhelmstein

Geradeaus nach Haus

Auf der Rückfahrt saßen wir wieder alle in einem Boot und es ging zurück ans Festland nach Steinhude. Ganz ohne Kurve, schnurgrade! Das war ein wenig ungewohnt für Gisela und mich. Wir waren groggy, müde, ruhig, aber ein wenig stolz. Kein Wunder! Wir haben heute ein richtiges Ding gedreht: 42 Kilometer Kreisverkehr!

Danke

an das Orga-Team. Es war eine gelungene Veranstaltung. Überall freundliche und aufmerksame Betreuer im Team. Wir haben uns bei euch 120 Runden lang wohl gefühlt.

Ob die eine oder andere Runde mal nicht von der Elektronik gezählt wurde? Sei es drum! Auch die evtl. mehr gelaufenen Runden haben sich gelohnt

 

zum Wilhelmstein hier entlang

Der innere Schweinhund wurde zur Verfügung gestellt vom

Harzer Keiler Run